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DAS
GASTSPIEL IST RESTLOS AUSVERKAUFT!!!
Ein ungewöhnlicher
Mann, ein ungewöhnlicher Weg.
Sieben Jahre hat dieser für einen Kabarettisten fast zu gut aussehende
Mann gewartet. Er saß auf Kabarettbühnen und hat prominentere
und weniger prominente Kollegen begleitet am Klavier. Und hat geschwiegen.
Aber dieses Schweigen hat er benutzt,
um genau hinzuschauen.
In der Kabarettgeschichte gab es nur einen Mann, der einen ähnlichen
Weg gegangen ist. Heinz Erhardt. Er war jahrelang der musikalische Pausenclown
für andere Künstler, bevor er selbst die Hauptattraktion wurde.
Auch bei diesem Mann aus Essen haben wir den seltenen Fall,
dass er wirklich frühreif ist. Fast schon zu abgeklärt. Man
muß
bei ihm oft zweimal hinhören. Denn manches kommt einem beim ersten
Mal bekannt vor. Das ist sein Trick: Er lockt uns auf vermeintlich schon
oft gepflügte Politikfelder, scheut sich auch nicht, vereinzelt Pointen
zu zitieren, aber dann dreht er das oft Gehörte
in eine neue Richtung. In wilden Assoziationsketten, mit schlafwandlerisch
sicher gesetzten Pausen und dem Mut zur Langsamkeit, hoppt er von Name
zu Name, von Thema zu Thema
und wagt sich außerordentlich geschmackssicher auch
an heikle Komplexe.
Seine Geheimwaffe ist dabei sein Klavier, das er virtuos benutzt,
um uns abzulenken und uns in die gute Laune einer späten Sommernacht
zu spielen. Meist sieht man dann das Gewitter und auch Rethers scharfes
Seziermesser gar nicht kommen und
eh man sich umsieht, ist es auch schon wieder vorbei.
Rethers Musik gibt den Worten Raum und Echo. Seine Klangräume machen
die Sprache fast dreidimensional. Es purzeln Kategorien
und Genre-Regeln: Was ist das nur? Ein blasphemischer Liederabend? Dadaistisches
Improtheater? Slam-Poetry?
Zeitgeist-Satire? Klaviercomedy oder Polit-Kabarett?
Jedenfalls dies: unverschämt. Rether schwankt virtuos zwischen Albernheit
und tiefer Tragik, Größenwahn und Verlegenheit,
Flirt und Attacke - sein Publikum zwischen Liebe, Lachtränen
und stummem Entsetzen. Bittersüß!
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