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Er
verweigert sich dem Diktat der pausenlosen Pointenproduktion und schafft
es dennoch, wirklich komisch zu sein.
Er ist hinterlistig intelligent und schamlos albern. "FLÜGELSTÜRMER
- Lapsuslieder, Gedichte und ein Quantum Mumpitz"
heißt das neue Solo des in Rathenow geborenen Klavierkabarettisten,
in dem er köstliche Zweizeiler wie "Ernst Thälmann, einer
Flasche Sekt verglichen" vorträgt und mit der Inbrunst des weltwunden
Chansonniers ferkelige, lästerliche und mitunter auch richtig gemeine
Reime raunt.
Süddeutsche Zeitung, 25.09.2010
Mut hat er: Da kommt er aus Berlin nach München, um die Premiere
seines Programms "Flügelstürmer" zu feiern, und das
während der Wiesn.
Das ist die Zeit, in der die Münchner, wie Marco Tschirpke beobachtet,
ihr "Fruchtbarkeitsfest" feiern. Das hat Vorteile:
Für seine heutige Vorstellung gibt es noch mehr Restkarten als üblich.
Wer davon Gebrauch macht, hat das große Los gezogen,
denn der 35-Jährige aus dem Osten ist eine Sensation. Die Gattung
"Musikkabarett" greift für seine "Lapsuslieder"
nur bedingt -
es ist ein literarisches Kabarett mit dem gut gelaunten Anspruch, "der
deutschen Klassik ein paar Gedichte hinzuzufügen",
umtönt von Tastenzaubereien zwischen Weill, Rachmaninow und Richard
Clayderman.
Nur auf den ersten Blick erweckt er den Verdacht, Schwiegermutters süßester
Traum zu sein: Höflich fragt er nach, ob er nicht zu schnell spreche
oder ob der Flügel zu laut sei. Schnell wird klar, dass Tschirpke
nicht nur charmant, sondern auch ein Schlitzohr mit ätzender Intelligenz
ist.
Wahrscheinlich ist er der erste, der einen Mauertoten zum Gegenstand der
Satire macht - wie er es schafft,
dass das Gelächter über den "Ersterschossenen" vom
24. August 1961 nicht das Opfer trifft, sondern die Berliner Gedenkkultur,
ist ein Premienprodukt gesamtdeutschen Kabaretts.
Abendzeitung München, 25.09.2010
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