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  Pressestimmen - Volkmar Staub  
   

Talbewohner Taliban
Kabarettist Volkmar Staub mit dem neuen Programm "Weltanschauung" im Freiburger Vorderhaus.

Er hat sich vorgenommen, seine Zuschauer "von der Verunsicherung über die Verzweiflung in die Hoffnungslosigkeit zu stürzen" – aber da hat er sein Publikum wohl unterschätzt:
Das amüsiert sich nämlich bis zum Schluss. Gestürzt ist Volkmar Staub selber. Vom Stuhl. Auf der Bühne. Am Donnerstagabend im Freiburger Vorderhaus.
Dort fand vor einem sehr aufgeräumten und zwischenrufwilligen Publikum die Premiere seines Kabarettprogramms "Weltanschauung" statt. Der Stuhl war von Anfang an wichtig:
"Ist da noch frei?" fragt Staub und deutet auf selbigen, als er die Bühne betritt. Wo er den Stuhl und den dazugehörenden Tisch mit dem Glas Gutedel darauf stehen sehen möchte,
das weiß die Dame in der sechsten Zuschauerreihe sofort: auf der Terrasse des "Ochsen" in Oetlingen. Der Südbadener Kabarettist, der seit langem in Berlin lebt, ist wieder mal daheim.

Von dem exponierten Freisitz aus möchte Staub seinem Publikum die Welt erklären – das leuchtet ein, denn wer so nahe am barrierefreien Himmel hockt,
der muss ja mehr Weitblick haben, als Menschen etwa, die in einem engen Tal leben. Weshalb auch der Tal-iban zu einem tendenziell eher wenig toleranten,
sogar aggressiven Menschenschlag zählt – sagt Staub. Da ist er schon bei der Tagespolitik – wo er doch eigentlich die Geschichte der Menschheit von Anfang an erzählen will:
Wie wir – noch in Affengestalt – aufrecht gehen lernten, wenig später schon als schwarzer, weißer, gelber und roter Mensch die Welt bevölkerten.
Doch Chronologien sind langweilig und somit nichts für Kabarettisten – und für solche mit gewagten Assoziationsketten à la: "Frauen gehen shoppen,
Männer trinken Schoppen" schon gar nicht.

Mit furchterregenden Augenbrauen

Staub hat auch in seinem neuen Programm (Regie: Christian Bronder) keinerlei Scheu, durch die Zeitgeschichte zu rasen und immer wieder sehr unvermittelt bei der Tagespolitik zu bremsen. Dabei bringen ihn die Sarrazins, Schäubles oder Westerwelles bisweilen so in Rage, dass seine ohnehin beeindruckenden Augenbrauen noch furchterregender wirken und seine Bassstimme auch den letzten Kiekser im Publikum zum Verstummen bringt. Dann wieder lehnt sich Staub entspannt auf seinem Stuhl nach vorne, die Unterarme ruhen locker auf den Oberschenkeln. Ganz der Onkel, der seinen unwissenden, an seinen Lippen hängenden Zuhörern die Welt erklärt. Sogar wenn es immer wieder mal ein wenig derb und zotig wird...

Auch als Sänger macht Volkmar Staub eine gute Figur – ganz vorne an der Bühne gibt er wunderbar agil den Extremsport-Rapper, später singt er den herzzerreißenden Glühbirnen-Blues
und nimmt für die Finanzmoritat des "Rundumsorglossuperknowhow-Pakets" sogar die Gitarre zur Hand. Reden, singen – und auch parodieren kann Staub,
und so wird es beinahe poetisch-heiter, als er in die Rolle einer Schweizer Wassermalerin schlüpft, die dem Publikum ihre Kunstwerke aus dem "Volvic-Zyklus" oder der Reihe
aus reinem Zwetschgenwasser" präsentiert.

Was nun mit dem Stuhl war, sollten wir noch klären: Der brach aus unerklärlichen Gründen nach der Pause zusammen – Staub reagierte zwar witzig mit: "Soviel zur Corpulent Identity"..., jedoch nicht halb so spontan wie die Dame aus der ersten Reihe, die dem Kabarettisten ihren Stuhl auf die Bühne reichte. Und die aus den hinteren Reihen gleich Ersatz angeboten bekam. Von Hoffnungslosigkeit keine Spur.

Badische Zeitung / Heidi Ossenberg / 08. Oktober 2010


 


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