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Spätzle
liebt Bulette
Schwabenkabarett
Albrecht
Metzger kann auf eine jahrzehntelange Karriere in Showbiz zurückblicken,
von seinen Tagen beim WDR-Rockpalast ("Tschörmen Telewischn
praudli prisents") über Abstecher zum legendären Berliner
Jugendtheater Rote Grütze bis zu Programmen mit Titeln wie "Komm
du bloß hoim" oder "Was soll der Geiz?" mit der von
ihm mitgegründeten Schwabenoffensive. Seit einigen Jahren wandelt
Metzger nun bereits auf Solopfaden, zuletzt mit dem schmissigen Programm
"Sex'n Drugs'n Rock'nRoll".
Mit "Spätzle liebt Bulette" liefert der mittlerweile 64-Jährige
nun so eine Art "Greatest Hits" seines Schaffens ab, ein augenzwinkernder
Rückblick auf 32 Jahre als Schwabe in Berlin: mit dem Aufeinanderprallen
nicht immer kompatibler Mentalitäten, mit den endlosen Fahrten durch
den Transit Richtung Süden zu Mauerzeiten, mit dem regelmäßigen
Kulturschock dahoim in der aufgeräumten Heimat beim obligatorischen
Elternbesuch. Zudem schlüpft Metzger in diverse Rollen (sogar der
Herr Ministerpräsident Öttinger ist dabei), um auch dem Nichtschwaben
wieder mal die Vorzüge des süddeutschen Mitbürgers näher
zu bringen. Dabei gelingen ihm etliche Bonmots und vor allem viele treffende
Mentalitätsbeschreibungen. Und natürlich kommt bei dem eingefleischten
Musikkenner auch der Sound (vom Band) nicht zu kurz. Rundum genießen
kann den kurzweiligen Abend aber nur derjenige Kabarettfreund, dem es
bei einem liebevoll angehängten "-le", einem zärtlichen
"sch" zuviel oder einem vieldeutigen "gell" nicht
sofort die Gehörmuscheln verknotet.
Zitty
Berlin / Martin Schwarz / 19-2009
Metzgers
Spottpalast
NORBERT TEFELSEI begibt sich an die regionale Front
Wer wollte, konnte den Schwaben schon heraushören, als Albrecht Metzger
zwischen 1976 und 1984 im WDR-Femsehen den "Rockpalast" moderierte:
"Tschörmen Telewischen praudli prisents..." Seinerzeit
litt er unter der Häme ob seiner Aussprache, heute sagt er: "Hätte
ich damals schon kapiert, dass ich ein Komiker bin, hätte ich diese
Zeit besser genießen können." Komisch zeigt er sich seit
1988 im Rahmen der kabarettistischen Schwabenoffensive. Lange umgab er
sich mit einem Ensemble, nunmehr präsentiert er sein drittes Soloprogramm.
Unter dem hinterfotzig ranschmeißerischen Titel Spätzle liebt
Bulette versammelt der umtriebige Exilant Höhepunkte aus "30
Jahren Geiselhaft in Kreuzberg". Natürlich darf bei einem natural
born Maultaschen-Rocker auch die Musik nicht zu kurz kommen. Zum fetzigen,
gern mal nostalgischen Sound schlüpft Metzger in verschiedene Rollen,
um schwäbische Präzision und Berliner Chaos laut und lustig
zu-sammenrumpeln zu lassen. Obwohl er "Noch mehr Schwaben für
Berlin!" fordert, muss niemand am Eingang einen mundartlichen Nachweis
erbringen - ist doch die Show ausdrücklich "für Schwaben
und Schwabenhasser" konzipiert.
Tagesspiegel-Ticket 17.09.2009
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