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Mehringhof - Theater / Berlin
Kabarett - Comedy - Kleinkunst
Zitty-Kritik / September 2009

Spätzle liebt Bulette
Schwabenkabarett

Albrecht Metzger kann auf eine jahrzehntelange Karriere in Showbiz zurückblicken, von seinen Tagen beim WDR-Rockpalast ("Tschörmen Telewischn praudli prisents") über Abstecher zum legendären Berliner Jugendtheater Rote Grütze bis zu Programmen mit Titeln wie "Komm du bloß hoim" oder "Was soll der Geiz?" mit der von ihm mitgegründeten Schwabenoffensive. Seit einigen Jahren wandelt Metzger nun bereits auf Solopfaden, zuletzt mit dem schmissigen Programm "Sex'n Drugs'n Rock'nRoll".
Mit "Spätzle liebt Bulette" liefert der mittlerweile 64-Jährige nun so eine Art "Greatest Hits" seines Schaffens ab, ein augenzwinkernder Rückblick auf 32 Jahre als Schwabe in Berlin: mit dem Aufeinanderprallen nicht immer kompatibler Mentalitäten, mit den endlosen Fahrten durch den Transit Richtung Süden zu Mauerzeiten, mit dem regelmäßigen Kulturschock dahoim in der aufgeräumten Heimat beim obligatorischen Elternbesuch. Zudem schlüpft Metzger in diverse Rollen (sogar der Herr Ministerpräsident Öttinger ist dabei), um auch dem Nichtschwaben wieder mal die Vorzüge des süddeutschen Mitbürgers näher zu bringen. Dabei gelingen ihm etliche Bonmots und vor allem viele treffende Mentalitätsbeschreibungen. Und natürlich kommt bei dem eingefleischten Musikkenner auch der Sound (vom Band) nicht zu kurz. Rundum genießen kann den kurzweiligen Abend aber nur derjenige Kabarettfreund, dem es bei einem liebevoll angehängten "-le", einem zärtlichen "sch" zuviel oder einem vieldeutigen "gell" nicht sofort die Gehörmuscheln verknotet.
Zitty Berlin / Martin Schwarz / 19-2009

Metzgers Spottpalast
NORBERT TEFELSEI begibt sich an die regionale Front

Wer wollte, konnte den Schwaben schon heraushören, als Albrecht Metzger zwischen 1976 und 1984 im WDR-Femsehen den "Rockpalast" moderierte: "Tschörmen Telewischen praudli prisents..." Seinerzeit litt er unter der Häme ob seiner Aussprache, heute sagt er: "Hätte ich damals schon kapiert, dass ich ein Komiker bin, hätte ich diese Zeit besser genießen können." Komisch zeigt er sich seit 1988 im Rahmen der kabarettistischen Schwabenoffensive. Lange umgab er sich mit einem Ensemble, nunmehr präsentiert er sein drittes Soloprogramm. Unter dem hinterfotzig ranschmeißerischen Titel Spätzle liebt Bulette versammelt der umtriebige Exilant Höhepunkte aus "30 Jahren Geiselhaft in Kreuzberg". Natürlich darf bei einem natural born Maultaschen-Rocker auch die Musik nicht zu kurz kommen. Zum fetzigen, gern mal nostalgischen Sound schlüpft Metzger in verschiedene Rollen, um schwäbische Präzision und Berliner Chaos laut und lustig zu-sammenrumpeln zu lassen. Obwohl er "Noch mehr Schwaben für Berlin!" fordert, muss niemand am Eingang einen mundartlichen Nachweis erbringen - ist doch die Show ausdrücklich "für Schwaben und Schwabenhasser" konzipiert.
Tagesspiegel-Ticket 17.09.2009