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Hoffentlich
- mit Folgen
"Mutanfall - Ein Angsthase schießt zurück":
Kabarett mit Helmut Schleich
Helmut Schleich versteht
es, sich am Sprachmarkt individuell zu positionieren. Im Kito lieferte
er den Beweis. Auf - herkunftsbedingt - oberbayerische Art füllt
er dabei eine Spannbreite, die sich an
Eckpfeilern wie Franz Josef Strauß und Ottfried "Bulle von
Tölz" Fischer orientiert. Zumal er dem Ersteren den Einstieg
in das Leben eines Kabarettisten verdankt Bei einem Vorsprechen den Kopf
zwischen die Schultern gezogen, Hals und Backen gebläht... und schon
ist er leibhaftig auferstanden, Bayerns Superstar vergangener Tage. Und
er -Schleich - ist in der Show.
Damit wir uns nicht missverstehen: Diese Nähe zum bayerischen Ex-Premier
ist lediglich der Mentalität geschuldet. Ansonsten, olitisch, steht
er dagegen (er schaut auf einen Zettel), also: "Politisch' Kabarett,
das ist
nicht so meins. Obwohl, ich hab schon unterschiedliche Meinungen."
Auf jeden Fall verspricht er (wieder den Blick auf den Zettel), "den
Abend auf satirisch geeignete Weise zu gestalten" und (Zettel): "Applaus
abwarten!
" Obwohl er bekennender Profi-Laie ist, und von nix ne Ahnung hat.
- Wie gesagt: Sprachlich individuell positioniert. Als Max Max beginnt
Schleich seinen "Mutanfall" und schießt als Angsthase
die folgenden zwei Stunden zurück. Erst noch rsemantisch begabt wie
Caspar Hauser, dann dynamisch-schmierig als der holländische Entertainer
Kaak van Houten, dann als Ferdinand Flügel, in der dritten, vierten
Generation
Angstmachermeister. Viertens taucht ein turbo-cholerischer Thomas-Bernhard-Verschnitt
auf und dann entläuft ihm noch eine Teufelsnatter aus Nord-Borneo
- "Sieht harmlos aus, aber des macht's mit Gift immer alles wett."
Wer zählt die Rollen, wer die Charaktere, die Schleich so schnell
wechselt wie Jackett oder Krawatte? Bald dröhnt es in den Ohren.
Bald flackert's vor den Augen. Und manchmal ist es einfach zu viel des
Guten. Die Pointen haben, so scheint's, nur noch den Zweck, ihre Vorläufer
vergessen zu machen. Von den Vorvorläufern ganz zu schweigen. Aber
wenn denn mal doch eine hängen bleibt, dann ist sie wertvoll. Äußerst
wertvoll. Wie zum Beispiel die Sache mit der Sprachprivatisierung: Deutsche
Post-privatisiert. Deutsche Bahn - privatisiert. Warum dann nicht auch
die deutsche Sprache? Und das bei diesem Sprachstandort Deutschland.
"Mit 80 Millionen Native-Speakers." Wie war's mit einem Wortnutzungsgeld?
Also: Die Allianz kauft "hoffentlich" und macht es zu einem
Privatwort, Hinter jedem "hoffentlich" folgt in Zukunft also
zwingend
ein "Allianz". So wie: "Hoffentlich - Allianz!!! - ist
nach der Vorstellung noch etwas los ...". Obwohl das mit dem Doppelkonsonant,
was soll das? Ein kompetentes Einfach-f müsste doch eigentlich reichen.
Und überhaupt: Sprachstandort Deutschland. Die Deutschen sterben
aus. Was soll da noch ein Futur II? Warum sich noch mit einem Plusquamperfekt
belasten. Da kann man rationalisieren. Und beides zu einem Futurquamperfekt
III zusammenziehen. Und hätte wunderschön gehabt sein werden,
wenn es noch Stunden so weiter gegangen wäre. Wie sagte Humorproduzent
Bodo Bolsenkötter: "Die Witzbasis steht wie auf einem
Fels/ Und Helmut Schleich kann sich mit seiner Art Humor ohne Zweifel
am Hohnund Spottmarkt Rotterdam behaupten. Seine Auslassungen sind nicht
zum Schenkelklopfen. Sie gehen tiefer. Der Klamauk ist vordergründig.
Aber die Basis, die hinterlässt Tage noch Spuren. Allein der Abgang:
Schleich als Bulle von Tölz: Den Kopf in den Nacken, linksmündig
die typische Lächellähmung dazu und... Was steht auf dem Zettel?
"Applaus abwarten." Und der kommt dann auch. Ziemlich kräftig
sogar.
Die Norddeutsche
Zeitung
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