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Kabarett - Comedy - Kleinkunst | |||||||
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Erlanger Nachrichten,09.01.2010 Jesus Kinski und die Erlösung Kabarettist Reiner Kröhnert mit neuem Programm im «Fifty» Honecker träumt,
Schäuble «bitzelts» in den Füßen, Schröder
macht Späße, Merz will mehr Kapitalismus wagen und Jesus Kinski
ist der Erlöser: Wer ein solches personales Panoptikum auffährt,
verbal ungemein versiert ist und viel von Dialektik versteht, gehört
ganz einfach auf die Bühne. Reiner Kröhnert betritt derzeit
allabendlich (und heute um 20 Uhr noch einmal) die Bühne des «fifty
fifty» und stellt dort sein neues Programm «Das Jesus Comeback»
vor.
Ein
Prophet der Parodie Ein wahrhaft biblisches Szenario entspinnt sich da im fernen San Francisco, wo sich Unglaubliches abspielt: Just unter der Golden Gate Bridge, wo Nastasja einst die Asche verstreut und damit selbst die Robben zu Tränen gerührt hatte, teilt sich das Wasser - und, oh Wunder, den Fluten entsteigt der neue Heilsbringer: "Jesus Kinski, de Klaus". Reiner Kröhnert, der prophetische Zen-Meister der Parodie, hat sie wieder alle herbei zitiert, die Merkels, Hinzes und Pofallas, die Schröders, Schäubles und Blüms, Friedmanns und Cohn-Bendits. Selbst der Papst muss aus dem Vatikan anreisen, um sich mitsamt seiner Piusbruderschaft kräftig die Leviten lesen zu lassen. Auf leise, aber eben heimtückische Art. Denn auch in seinem aktuellen Programm "Das Jesus-Comeback", zu dessen "Welturaufführung" Kröhnert ins ausverkaufte Pariser Hoftheater geladen hatte, verarztet er seine Patienten auf subtile Weise. In fast salbungsvollen Akten der Selbstdemaskierung. Sogar Ober-Exzentriker Kinski (zweifellos "kein Jesus der geistig Armen") scheint da zwar zorniger, aber zuweilen doch entrückt pastoraler Teil eines ausgefeilten Bühnenauftritts, den man als Gegenentwurf zum spaßigen Marktgeschrei der boomenden Comedy-Szene schon per se bejubeln möchte. Kröhnert lässt es ruhig, fast bedächtig angehen; ohne auf die schnelle Pointe oder Schenkelklopfer zu zielen. Das braucht genaues Hinhören, aber nur minimale Requisiten: Ein Sessel, zwei Perücken, eine putzige Pelzmütze - das war´s. Seine ständig wechselnden Figuren allerdings, die er in bizarren Talk-Runden versammelt, sind so sorgfältig auf das Klischee reduziert, dass ihre Karikaturen verblüffend nah am Original entlang scheinen. Und seine Geisteraufstellungen, in denen etwa ein aus Ruinen auferstandener, ewig gestriger Honecker den vermuteten Putschisten Schäuble ("Es ischt, wie´s ischt, aber dass es so ischt, wie´s ischt, ischt die Krux") zu einer sozialistischen Wiedervereinigung trifft, sind so surreal wie sie plausibel scheinen. Zumindest im "Jesus-Comeback",
das alles möglich und Kinski bald zum CDU-Ehrenvorsitzenden von Friedmanns
Gnaden macht: "De Klaus" mit "Geistes-Zwerg" Blüm
im Rentenland, "Mehr Kapitalismus wagen"-Merz mit "Ich
buckel, also bin ich"-Hinze und "Ich bin, also buckel ich noch
mehr"-Pofalla in gewohnter Plattitüden-Lyrik - in Kröhnerts
Parodie-Panoptikum zersägen sich alle Delinquenten höchstselbst.
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