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Bericht
in der Berliner Zeitung
LEUTE
Ja, davon kann man leben
Marc-Uwe Kling gehört zu den Pionieren der Lesebühnenszene /
Jetzt geht er als Sänger auf Tournee
Andreas Kurtz
Es gibt eine Frage, mit der man junge Künstler richtig nerven kann.
Marc-Uwe Kling, seit acht Jahren erfolgreich auf Lesebühnen unterwegs,
zweifacher deutscher Poetry-Slam-Meister
und für seine "Känguru"-Kolumne bei Radio Fritz Gewinner
beim Deutschen Radiopreis 2010, hat daraus jetzt ein Lied gemacht: "Kann
man davon leben?" Ja, er kann.
So gut, dass er sich einige Prinzipien leistet: "Ich mache keine
Werbung und trete nicht auf Firmengalas auf, obwohl da absurd viel Geld
gezahlt wird."
Für unser Gespräch hat der 29-Jährige die Mokkabar in der
Kreuzberger Gneisenaustraße gewählt, weil er um die Ecke wohnt
und schnell wieder am Schreibtisch sein will.
Der Abgabetermin für sein nächstes Buch "Das Känguru-Manifest"
drückt, er kommt nicht mal dazu, seine Lieblingsserien zu schauen:
"Ich stehe auf und schreibe am Buch.
Das Künstlerleben habe ich mir anders vorgestellt."
Kling gehört zu den Gründern der Lesebühne Lesedüne,
die gerade ihr fünfjähriges Jubiläum feierte. Und einen
Titel hat, der erklärt werden muss: "Das ist wie bei den Sozialdemokraten.
Die Lesedüne heißt Lesedüne, weil wir in einer Strandbar
angefangen haben. Und die Sozialdemokraten heißen so, weil sie mal
als soziale Partei angefangen haben.
Irgendwann ist beides weggebrochen, aber die Namen sind noch da."
Jeden zweiten und vierten Montag liest Kling bei der Lesedüne im
Monarch in der Skalitzer Straße 134 in Kreuzberg
zwei neue Geschichten vor. Die festen Termine disziplinieren ihn: "Das
gibt mir Struktur."
Im September darf er sich in München den "Senkrechtstarterpreis
des Bayerischen Kabarettpreises" abholen. Nach acht Jahren auf der
Bühne kommt Kling sein Berufsleben tatsächlich
nicht wie ein Senkrechtstart vor. Aus bayerischer Sicht mag sich das aber
so darstellen, denn dort tritt er maximal zweimal pro Jahr auf, in Berlin
etwa einmal pro Woche.
"Bestimmt die Hälfte meiner Auftritte habe ich in Berlin. Aus
Bequemlichkeit. In keiner anderen Stadt könnte ich so oft auftreten
und würde auch noch Publikum finden."
Marc-Uwe Kling sagt über sich: "Ich bin ungern unterwegs, aber
total gern woanders." Er hat Philosophie studiert und abgebrochen.
Dann versuchte er es mit Politik und Geschichte.
Dann wieder mit Philosophie. "Die Bühne hat irgendwann mein
Leben übernommen." Seine Studien mag er nicht missen: "Verlorene
Zeit war das auf gar keinen Fall,
denn verlorene Zeit ist nur die, die man unglücklich verbracht hat."
Das eingangs schon erwähnte Lied "Kann man davon leben?"
ist auf dem Album "Marc-Uwe Kling & Die Gesellschaft" erschienen,
das Kling und seine Band dieser Tage auf Tournee in Leipzig, Dresden,
München, Stuttgart, Frankfurt am Main, Düsseldorf, Hamburg und
Potsdam spielen.
Darauf findet sich mit "Die Liebe in den Zeiten der Cola" das
Intelligenteste, was seit Jahren über die Methoden von sogenannten
Heuschrecken-Firmen gesagt oder gesungen wurde.
Einen "Plan B" für den Fall, dass er als Autor, Vortragskünstler
und Sänger mal tief in die Krise geraten sollte, hat Kling übrigens
nicht. "Ich glaube, wenn man einen ,Plan B' hat,
dann funktioniert ,Plan A' nicht."
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