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  Pressestimmen - Robert Griess  
   

Satire Die Mächtigen zum Lachen freigeben

Westfälische Rundschau / 03.04. 2011

Schalksmühle. Er hat´s drauf. Doch sein Urteil ist vernichtend. Hoch gelobt und in ganz Deutschland präsent ist Robert Griess mit seinem Programm "Revolte".
Am Freitag Abend eröffnete er die Kleinkunst-Reihe der Gemeinde. Der erste Abo-Abend mit dem Motto "Revolte" vor ausverkauftem Haus war lustig, unterhaltsam -
ein Feuerwerk an bitterböser Satire.
Griess, ein Moralist und eigentlich sehr sympathisch - verwandelte sich. In vielen Rollen zog er vom Leder. Brandaktuell bekamen zuerst die Politiker ihr Fett weg.
Die Original-Zitate ließ der spitzzüngige Kölner für sich sprechen. "Ich will nicht, dass unsere Kinder dümmer lernen, als anderswo", Worte von Rüttgers. Stoiber,
bezeichnete er als Logopädie-Taifun: "Wir müssen unseren Kindern wieder mehr Deutsch lernen".
Angela Merkel, im Amt seit gefühlten zwei Ewigkeiten, benannte der rhetorisch brillante Kabarettist als Schwarze Mamba, die alle weggebissen hat.
Atomkraft-Manager an Windräder hängen
"Wir wissen jeden Tag weniger, woran wir sind. Ist sie nun ein Ziehkind Kohls oder die späte Rache Erich Honeckers an der BRD?".
Er traf den Nerv des amüsierten Publikums, das nicht mit Applaus geizte.
Sein Vorschlag: beispielsweise Atomkraft-Manager an die Windräder zu hängen - nicht zu erhängen - zur Freude des Volkes. Dazu den wie Messias verehrten Abschreiber.
Der denkt, er sähe aus wie George Clooney, in Wirklichkeit jedoch nur Lothar Matthäus ähnelt. Griess witzelte sich in Rage, steigerte Tempo und Biss.
Wenn die Lachsalve der Zuschauer nur eine Sekunde zu spät kam, giftete er auch ins Publikum: "Jaaa, Mitdenken ist erlaubt." Wortspiele -
Trauring und traurig unterscheidet nur ein Buchstabe - zogen sich als roter Faden durch das Programm.
Der satirische Rundumschlag erwischte natürlich auch Westerwelle mit seinem "Höherwertigkeitskomplex"- ein Ego wie ein Ochsenfrosch -,
der zur Freude der Hartz-Vier-Empfänger gar nicht mehr vom Windrad abgehängt werden dürfe. Griess Vorschlag: Unter dem Rad ein Schild mit dem Hinweis: Fähnchen im Wind.
Hochanspruchsvolle Gedanken-Assoziationen dann beim "Last Hetero Man" auf der Spielplatz-Bank zwischen den Müttern.
"Papa, warum soll ich noch versuchen, die Welt zu verbessern, wenn meine Eltern doch schon alles vergebens probiert haben?" Sein eigenes Dreigestirn:
Der kölsche Asi-Adel Herr Stapper, der verschrobene Linke Herr Schober sowie Griess macht ihm besonders viel Spaß.
Schauspielerisches Talent unterstützt die verbale Revolte des Unterschichtlers. Die Bildungsstätte für dumme, reiche Kinder - Waldorfschule stampft er vernichtend in Grund und Boden.
"Für den Abschluss eine Zwei in Kartoffeldruck ist immer drin…"
Reiche Leute ärgern vor dem Bioladen, ein wöchentlicher Event. Für die Latte Macchiato-Mütter, die ihre Brust vorher schütteln, damit nur noch Schaum rauskommt,
sind Kinder ein Projekt. Kevin-Fernando oder Phillip, die Spucke schoss nur so aus Griess mit verbalem Gift gefüllten Mund.
"In Talk-Shows wird alles weggelabert"
Den zweiten Teil nach der Pause erwartete er von einem Bein auf das andere tretend - wirklich aufgeregt hinter dem Bühnen-Eingang.
Mit roter Strickmütze schoss er als revoltierender Jacob mit gebrochenem Französisch auf die Zuschauer los. Mokierte sich über Pipi mit Schaum,
das geliebte Getränk seiner Heimat, und den Kussgeschmack nach Blutwurst der "Lecker-Mädchen". Noch schneller wurden die Rollenwechsel, noch grausamer sein Urteil.
Zielgenau sticht er die faulen Stellen des deutschen Systems an. "Wir haben die Talk-Shows. Bei uns wird alles weggelabert." ….Bad Bank… ein Kurort für schlechte Manager.
….und Deutschlands nächstes Top-Model, dass sich nur durch einen Buchstaben vom Pop-Model unterscheidet.
"Wieso beurteilen eigentlich in Deutschland Prominente unsere Kinder in Grund und Boden? Und alle wollen es sehen."
Griess sagt von sich selbst: Kunst - auch Kleinkunst - muss dem Geist der Aufklärung verpflichtet sein, die Perspektive von unten haben, die Mächtigen zum Lachen freigeben -
sonst kann sie gleich als Partyservice anheuern, wie Jörg Fauser einmal schrieb." Sein Original-Zitat. Welches Maß jedoch gilt und ob es immer noch böser und vernichtender sein muss, dass entscheiden die Besucher. Und davon hat Griess in Deutschland jede Menge.


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